Durchzug 1

 

2,2 m × 0,95 m × 3,8 m

Holzlatten, Folie

2009

 

Morgens, wenn fast noch kein Wind draußen weht, ist alles still. 

Gegen Mittag beginnen die Folienflächen sich sanft zu bewegen und zeigen den leichten Luftstrom, der hindurch weht. Es ist eine schöne, angenehme Stimmung im Raum. Die Geräusche der Folie haben etwas Beruhigendes, fast schon Meditatives.

Wenn es draußen windiger wird, werden die Folienflächen lebhafter. 

Sie werden in ihren Rahmen aufgebläht und wieder angesaugt. Es ergeben sich die unterschiedlichsten Rhythmen. 

Ein Gewitter zieht auf. Die kräftigen Windböen zerren an den Folien und lassen diese laut knallen. Es ist ein bedrohliches, aggressives Knallen. Die Stimmung im Raum ist angespannt. Man wird sich immer mehr bewusst, dass die Grenze zwischen Innenraum und Außenraum nicht mehr durch die Fenster verkörpert wird, sondern durch die aufgespannte Folie. Die Grenze zum Draußen befindet sich nun mitten im Raum.

Dann beginnt es heftig zu regnen. Der Sturm peitscht die Regentropfen in den Durchzug und es bilden sich Pfützen darin. 

Nach einer Stunde ist es überstanden. Die Sonne kommt hervor und die Folie beginnt zu trocknen.


 

In der Werkreihe Durchzüge visualisiere ich den natürlichen Vorgang, bei dem die Luft von draußen in den Innenraum strömt, und diesen – meist durch ein gegenüberliegendes Fenster – wieder verlässt.

Der Außenraum, in Form von Wind und Wetter, dringt in den Innenraum ein. Er verbindet sich jedoch nicht mit diesem, sondern wird hindurch und wieder nach draußen geleitet. Ein Teil des Innenraums wird zum Außenraum. Die Grenze zwischen Innen und Außen besteht nach wie vor, sie wurde aber in den Raum hinein verlagert.

Die Größe und die Proportionen der Kanalkonstruktion ergeben sich aus der Architektur des Raumes.

 

Magnus Sönning